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Proheide - Büro Neuruppin
Vorschläge für eine wirtschaftlich tragfähige zivile Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide
Bundeswehr gibt Bombodrom frei
Liebe Leserin, lieber Leser unserer Infopost,
Ansprache zur Neujahrswanderung 2010
Pro Heide Neujahrswanderung 2010
Neujahrswanderung 2010
Pressemeldung
Die Heide ist frei! - Ist sie wirklich frei?
GEMEINSAME PRESSEERKLÄRUNG vom 6. Oktober 2009

  Die Heide ist frei! - Ist sie wirklich frei? (01.12.2009)

Die Heide ist frei – ist sie wirklich frei?

„Die Heide ist frei!“ – Dieser freudigen Nachricht begegnet man überall in den Anrainergebieten der Kyritz Ruppiner Heide. Und nicht nur dort. An Fahrzeugen, Ortsschildern und vielen anderen Stellen, wird der vermeintlich endgültige Sieg über die Nutzung des ehemaligen Bombodroms durch die Bun-deswehr mit entsprechenden Aufklebern gefeiert.
Ein Grund zum feiern ist das Gerichtsurteil mit dem die Nutzung der Kyritz Ruppiner Heide als Bom-benabwurfplatz untersagt wurde allemal, aber trotzdem bleibt damit die Bundeswehr Eigentümer des gesamten Areals. Auf der Mitgliederversammlung von ProHeide im Sport Center Neuruppin am 26. November nutzte Vorsitzender Golde die Gelegenheit darauf hinzuweisen, dass ein wesentlicher Teil des Weges zu einer freien, zivil genutzten Heide noch vor uns liegt.
Also ist die Heide noch nicht frei! Hauptsächlich aus zwei Gründen!

Als Erstes: Das Verteidigungsministerium hat immer noch die Option, den Platz für andere militäri-sche Übungen zu nutzen und das in voller Bandbreite. Es ist lediglich untersagt, Tiefflüge zu unter-nehmen und Bomben abzuwerfen.
Darum ist es ein Trugschluss zu glauben, dass nun die Arbeit getan sei. Es wird von vielen Unterneh-mern und Bürgern der Standpunkt vertreten, dass ja die Kampfflugzeuge nicht mehr über unsere Köp-fe donnern und Bomben nicht mehr in der Heide abgeworfen werden.- Das sei es, was man erreichen wollte, und das Ziel sei erreicht.
Wer aber glaubt, nun die Hände in den Schoß legen zu können, sitzt einem Trugschluss auf. Zurzeit herrscht auf dem ehemaligen Bombodrom eine verführerische Ruhe. Aktivitäten von Seiten der Bun-deswehr reduzieren sich auf Kontrollfahrten, um leichtsinnige „Spaziergänger“ aus den Gefahrenbereichen zu verweisen. Es gilt immer noch das Verbot zum Betreten des Platzes aus bekannten Gründen. Einige Bereiche, die inzwischen für ungefährlich befunden wurden, werden zum Beispiel als Schafweide genutzt, und es sind mit entsprechend informierter Begleitung auch schon Begehungen möglich gewesen. Wer vermutet in dieser Ruhe, dass die Bundeswehr immer noch das Recht hat, diesen Platz für militärische Zwecke – eben nur nicht als Bombenabwurfplatz – zu nutzen?
Es könnten hier in den kommenden Jahren – wenn sich alle in Sicherheit wiegen – plötzlich Panzer rollen und Geschütze donnern – es sind ja keine Düsenjäger und keine Bomben!
Gegen diese Lücke im ergangenen Gerichtsurteil müssen wir zukünftig angehen. Es ist eine trügeri-sche Ruhe, auf die momentan viele hereinfallen.
Daher ist es wichtig, weiterhin eine Neujahrswanderung, einen Ostermarsch oder vielleicht auch eine Wasserdemo und Ähnliches am Leben zu erhalten. Für die einzelnen Friedensinitiativen wird die Ar-beit immer schwieriger, wenn Mitgliedsbeiträge, Spenden und Mitglieder ausbleiben. Das kann letzt-endlich zur Handlungsunfähigkeit führen.

Als Zweites: Die Heide ist noch nicht frei! Sie ist an vielen Stellen belastet mit Blindgängern, Minen, Munition, Sprengstoff und anderen militärischen Hinterlassenschaften. Es wäre teilweise heller Wahn-sinn, bestimmte Gebiete einfach so zu betreten um dort eventuell Pilze zu sammeln.
Diese äußerst gefährlichen Hinterlassenschaften müssen beseitigt werden und das kostet Unsummen an Geld und sehr viel Zeit. Geld, das erst aus Bundes- und Landesmitteln und vielleicht auch aus Spenden zur Verfügung stehen muss und Zeit, die uns zurzeit gerade davonläuft. Denn mit jedem Jahr, das ohne Dekontaminierung der belasteten Flächen vergeht, steigen die Entsorgungskosten, weil die Vegetation sich immer weiter entwickelt und die Natur sich holt, was ihr eigentlich auch ge-hört.
Blindgänger u.s.w. sind überirdisch, aber auch in Tiefen bis zu sechs Metern im Erdboden zu finden. Das ist das Gefährliche daran. Sie müssen erst geortet werden und man sieht es dem Boden nicht an, was er in sich birgt. Daher ist die Heide auch aus diesem Grund nicht frei.
Es ist noch viel Arbeit übrig geblieben und sie wartet darauf, von uns erledigt zu werden. Darum ist es gerade jetzt falsch, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Wir müssen es anpacken und verhindern, dass die Heide eventuell privatisiert und damit in verschiedene Eigentumsflächen umgewandelt wird, die dann – weil es eben privat ist – keiner mehr betreten darf. Dieser Umstand darf nicht eintreten.
Zuträglich für unsere Region wäre eine vernünftige touristische Nutzung und Ausweisung von Gebieten, die für die Naturschützer interessant sind, weil sie eine besondere Landschaftsform darstellen oder besonders seltene Tiere und Pflanzen dort heimisch geworden sind. Daran mitzuwirken, ist weiterhin die wichtigste Aufgabe aller Mitglieder der Friedensinitiativen. Es kann nicht sein, dass nun auf halbem Wege die scheinbare Ruhe dazu verführt, sich mit dem jetzigen Stand der Dinge zufrieden zu geben.

E. Bartel
Büro ProHeide Neuruppin